Virtual Catwalk – Your are not on the list?There is no list!

Prada im Wohnzimmer

Ein Platz in der Frontrow einer Modenschau ist der ultimative Ritterschlag in der Modebranche. Wer hier sitzt, ist wichtig. Hier sieht man Trends und die Vision des Designers für die kommende Saison zuerst.

Der Virtual Catwalk macht’s möglich. Er holt Prada, Burberry und Armani ins Wohnzimmer. In diesem Fall holt er die Fashion Week Berlin ins NRW-Forum.

Also bitte, nehmen Sie Platz, teilen Sie sich mit und verbreiten Sie ihre Meinung. You are not on the list? There is no list!

Doch das ist neu. Noch vor wenigen Jahren jonglierte ein elitärer Kreis aus Redakteuren, Einkäufern und Investoren im Modezirkus. Sie bestimmten den Auf-oder Abstieg von Designern und diktierten die Schauenkalender der Modewochen. Kollektionen großer Modehäuser wurden einer ausgewählten Runde präsentiert, die dann darüber urteilte und so der breiten Masse eine Vorauswahl präsentierte. Besonders nach dem Crash der Internetblase fühlten sich Marken und Magazine sicher – alles bleibt, wie es ist. Modedesigner kokettierten, für so etwas Triviales wie das Internet keine Zeit zu haben. Falsch gedacht.

Anna Wintour, mächtige Chefredakteurin der amerikanischen Vogue, hatte angeblich zu Beginn der Entwicklung der Blogosphäre das Wort „Blog“ sogar auf den internen Redaktions-Index gesetzt. Vermutlich sieht sie das anders, seit sie in der ersten Reihe neben Bloggern wie Bryan Boy, Garance Doré und Co. Platz nehmen muss.

„Bloggen demokratisiert das Business“ zitiert die F.A.Z Stefano Gabbana, eine Hälfte des Designerduos D&G. Sie sind die Indianer des Internets , die Rebellen des Web. Ihre Waffen: Authentizität, Persönlichkeit und Unabhängigkeit. Sie veröffentlichen in Echtzeit, die Meinungshoheit ist zerschlagen.

Yves Saint Laurent zeigte 1996 als erster Modeschöpfer von Weltrang seine Kollektion nicht nur bei einer klassischen Modenschau während der Fashion Week, sondern gleichzeitig als Stream im Internet– erstmals konnte damit jeder in Echtzeit die Schau mit verfolgen, ohne gespannt auf die Beurteilungen der vor Ort Anwesenden zu warten. Ohne Wartschlangen am Einlass, hierarchische Sitzordnung und gestresstes Schauenpublikum das aus den Zelten eilt. Ein Meilenstein für die Demokratisierung der Modewelt.

Mittlerweile setzen einige Modehäuser auf zwei Pferde, also klassische Catwalk Show und Internetstream. Bei Burberry ist die Kollektion sogar direkt mit einem Online-Shop verlinkt. Gareth Pugh hingegen, Lieblings-Designer der Avantgardisten, verzichtet komplett auf eine Show und zeigt stattdessen mystische Mood-Videos auf der Website www.showstudio.com.

Läuft uns der Catwalk davon – Runway oder Run-away?

Wohl eher nicht. Denn die Modebranche ist ein eitles Volk, der „Jardin de Tuileris“ in Paris oder der „Bryant Park“ in New York ihr Laufsteg. Wozu schöne Kleider tragen, wenn sie niemand sieht? Eben. Genau deshalb sind Show-Tickets immer noch so heiß begehrt, obwohl man sich fast jede Show auf der heimischen Couch, eingekuschelt und mit einer Tasse Tee in der Hand, ansehen kann. Genau deshalb wird auch der innovativste Film oder die verrückteste Hollogramm-Video-Installation nicht das Ende des Fashion-Week Rummels einläuten. Sonst gäbe es seit dem Musiksender „MTV“ auch keine Konzerte mehr und kein Zuschauer würde bei „Wetten dass…?“ für 50 Euro pro Karte im Publikum sitzen. Der Zauber des direkten Erlebnis lässt sich virtuell nicht ersetzen.

Unsere Autorin Miri hat sich mit dem Thema „Fashion Films vs. Runway“ auseinandergesetzt und die besten „Fashion Films 2011“ gekürt. Ihre Kategorien: Mood, Performance, Visual Effects, Story, Humour, Styling, Art Direction, Darkness, Anti-Story und Sound Illustration.

Nun müssen Sie entscheiden – Catwalk oder Couch?

Wenn Sie einfach nicht genug von der Faszination des Bewegtbildes bekommen können, haben wir hier eine Auswahl von bemerkenswerten Fashion Shows, Installationen und Fashion Films zusammengestellt:

Alexander McQueen Spring/Summer 1999

Alexander McQueen Fall/Winter 2006

John Galliano Fall/Winter 2009

Gareth Pugh/Show Studio Fall/Winter 2009

Victor & Rolf Arnheim Mode Biennale 2009

Chanel Spring/Summer 2011

Mein Senf dazu

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