3 x 12 = 36 Das Einmaleins der Modewerbung

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Bevor eine Kampagne den Konsumenten erreicht, sind eine Menge Schritte nötig: Forschung, Entwicklung und Umsetzung. Wir sprachen mit drei Vertretern unterschiedlicher Berufsfelder der Werbung: Yvonne Jarmulewski ist Fachgruppenmanagerin beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. in Düsseldorf. Martina Kusnyarik arbeitet als Fashion Production Manager im Konsumforschungsinstitut GfK Retail & Technology in Nürnberg. Marcin Kempski ist polnischer Fotograf und arbeitet für die aufstrebende Agentur I Like Photo Group aus Warschau.

3 Menschen, 12 Fragen, 36 Antworten

 

Beschreiben Sie bitte Ihren Job in einem Satz!

Jarmulewski: Als Mitarbeiterin eines Verbandes arbeite ich im Dreieck zwischen Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik.

Kusnyarik: Ich leite intern als Project Manager das Projekt „Fashion Life“.

Kempski: Ich tue das, was ich am meisten mag: ich mache Fotos. Ich halte Momente fest.

Klassisches Fotoalbum oder sortierte Bilder auf dem Computer?

Jarmulewski: Beides.

Kusnyarik: Sortierte Bilder.

Kempski: Ich bin ein Romantiker. Lieber würde ich mich für das klassische Fotoalbum entscheiden, aber leider ist das bei der Anzahl an Bildern, die ich schieße, nicht mehr möglich. Vielleicht wird der Taschen- Verlag mir bald mal helfen ein Album meiner Bilder zu erstellen (lacht).

Was halten Sie von Facebook?

Jarmulewski: Prinzipiell habe ich ein positives Bild von Facebook. Ich denke generell steigt die Bedeutung der sozialen Medien, da sie zur Überbrückung der räumlichen Distanz zunehmend zwischenmenschliche Kommunikation digital unterstützen.

Kusnyarik: Eine sehr innovative Idee. Ich bin in Rumänien geboren und habe seit mindestens 20 Jahren die meisten meiner Freunde aus den Augen verloren. Durch Facebook habe ich sie wieder gefunden und zwar auf ganz leichte Weise.

Kempski: Ich sehe es als Werkzeug – dank Facebook weiß ich was auf dem Markt passiert. Es ist leichter mit Kollegen in Kontakt zu bleiben, aber ich versuche es nicht als alltäglich Kommunikationsplattform zu nutzen. Da gehe ich lieber mit meinen Freunden ein Bier trinken.

 

Stichwort Fashion 2.0: Wie beurteilen Sie den Wandel in der Werbung weg von klassischen Printkampagnen hin zu Neuen Medien?

Jarmulewski: Positiv, da die Produkte nicht nur zweidimensional präsentiert werden können und die Darstellung an meine Bedürfnisse angepasst werden können.

Kusnyarik: Sehr innovativ.

Kempski: Ich denke der Wandel hat sich noch nicht ganz vollzogen. Die besten Kampagnen werden immer noch in Hochglanzmagazinen gedruckt – und das ist auch mein Ziel.

 

Was kann der Film vom Foto lernen?

Jarmulewski: Die Poesie des Augenblicks.

Kusnyarik: Das Schweigen

Kempski: Eine Szene zu bauen. Und kleine Details zu achten.

 

 

 Glauben Sie, dass wir irgendwann in einer Welt ohne Papier leben werden?

Jarmulewski: Nein.

Kusnyarik: Ich arbeite heute schon ohne Papier. Daher ist das meiner Ansicht nach kein Problem.

Kempski: Ich hoffe nicht! Ich habe immer noch mehr Freude daran Fotos in der italienischen Vogue anzusehen oder in den erwähnten Taschen-Büchern als zum Beispiel auf Facebook.

 

Was ist gute Modewerbung (Sie können gerne ein Beispiel nennen)?

Jarmulewski: Keine Ahnung.

Kusnyarik: Ich mag Kookai und dessen Werbung.

Kempski: Generell ist es eine gute Kampagne, wenn man sich nach einem Monat noch daran erinnert. Man muss versuchen sie sehr eigen zu gestalten – mit Hilfe von Licht, Styling oder Models. Sie muss etwas einzigartiges haben.

 

Was ist dran an der Theorie, dass Menschen heute wieder durch Geschichten erzählen unterhalten werden möchten?

Jarmulewski: Trotz aller Interaktions-Möglichkeiten moderner Kommunikation haben die Menschen immer noch das Bedürfnis – und werden es wohl auch in Zukunft haben – sich einfach entspannt zurückzulehnen und zuzuhören.

Kusnyarik: Kann ich mir gut vorstellen. Die Menschen nehmen sich immer weniger Zeit, daher ist das vielleicht eine gute Art, um sich mal zu entspannen.

Kempski: Dazu habe ich keine Meinung.

 

Egal ob Sache oder Mensch, ob tot oder lebendig – für wen oder was würden Sie gerne Werbung machen und wie würde sie aussehen (welches Medium und welche Bildsprache würden Sie wählen)?

Jarmulewski: Fleisch, Online Werbung. Nicht das Klischee glückliche Kuh, grüne Wiese, sondern Portrait der lokalen Metzger Meister, um dadurch die Kompetenz des Fleischerei-Handwerks zu vermitteln. Die spannende Herausforderung ist es, einen sensiblen Produktbereich (hier: verderbliche Lebensmittel) vertrauensbildend online zu kommunizieren.

Kusnyarik: Für unser neues Project „Fashion Life“. Als Medium würde ich vielleicht das Internet wählen und die Bildsprache zunächst eher dezent halten. Da unser Kundenkreis leider noch sehr konservativ ist. Hoffentlich ändert sich das irgendwann.

Kempski: Sehr schwere Frage. Ich glaube ich würde über eine Woche brauchen, um das zu beantworten und dann wäre ich mir immer noch nicht sicher, ob meine Antwort korrekt wäre. Aber angenommen ich müsste sofort antworten: Okay, dann würde ich Scarlett Johansson für H&M fotografieren. Bildsprache? Sehr simpel, aber nicht wie Terry Richardson, eher wie Helmut Newton.

 

Wie sähe eine Werbekampagne für Ihre eigene Person aus (auch hier: Medium, Ästhetik etc.)?

Jarmulewski: Ich würde keine Medien-Kampagne schalten, eher eine virale, da Personenkampagnen über klassische Medien hinsichtlich Kosten und Ertrag zu Lasten der Effizienz schlichtweg zu teuer wären.

Kusnyarik: Für mich hätte ich gern mal ein Poster in den Straßen von New York. Schlicht aber nicht zu schlicht. Ein bisschen auffallend, aber nicht zu sehr.

Kempski: Jetzt werden Sie zu persönlich – diese Antwort würden Sie gar nicht wissen wollen (lacht).

 

Was sagen Modefilme eigentlich noch über das Produkt aus?

Jarmulewski: Nichts, weil eine subtile Werte-Kommunikation stattfindet.

Kusnyarik: Meines Erachtens nichts über das Produkt. Eher was über die Menschen, die in dieser Branche arbeiten.

Kempski: Fashion Filme scheine jeden Tag größeren Einfluss auf uns zu haben. Sie zeigen wie es wäre das Produkt zu besitzen – manchmal in besserer oder stärkerer Weise als Fotografien das können.

 

Was kann man alles ohne Worte sagen?

Jarmulewski: Nichts, da zum Sagen Worte gehören.

Kusnyarik: Alles.

Kempski: Ich kann alles sagen. Lasst mich bloß meine Kamera halten…!

Fotocredits (2): Lisa Wagner

Comments
One Response to “3 x 12 = 36 Das Einmaleins der Modewerbung”
  1. Y. Jatmulewski sagt:

    Das ist ja interessant, dass ich angeblich ein Interview mit ihnen gehalten habe….

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