Premiere²

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Berlin, 18. Januar 2012, kurz vor 18.00 Uhr. Der Wind weht eisig, die Luft ist nass kalt. Ein Abend, den man eigentlich lieber zu Hause vor dem Fernseher verbringen sollte. Mit einem Glas warmer Milch und dicken Wollsocken. Eigentlich. Stattdessen gab es Coke light, Häppchen und schwarze Wildleder Ankleboots. Und zwei Personen, die beide gleich eine Premiere erleben würden.

Eine der beiden ist Alexandra Kiesel, Modedesignerin und Gewinnerin des Nachwuchsawards Designer for Tomorrow, die an eben diesem verregneten Abend ihre erste eigene Fashionshow bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin präsentieren durfte.

Die andere bin ich, eine blutjunge Fashion Week Anfängerin auf dem Weg zu ihrer ersten Show im Zelt am Brandenburger Tor.

Wer letztlich nervöser war, bleibt offen. Fest steht, dass sowohl Alexandra als auch ich unser persönliches Debüt par excellence bewältigten. Grund Nr. 1: die Location. Das imposante weiße Zelt in direkter Nachbarschaft zum Brandenburger Tor versprüht genau die glanzvolle Aura, die es braucht, um bei den Fashionistas dieser Welt Eindruck zu schinden. Fotografen und Limosinen inklusive. Natürlich zeigen Designer auch gerne mal Off-Side, um sich im Modedschungel der Stadt abzuheben. Doch seien wir mal ehrlich: für eine Jungdesignerin a la Alexandra ist es schon ein Ritterschlag in eben diesem Zelt zu zeigen. Von mir ganz zu schweigen (alles andere hätte sich nur halb so gut angefühlt).

Stilecht ging es mit dem Taxi zum Zelt, vorbei am roten Teppich, der für Stars wie Katja Flint, Ursula Karven, Dana Schneider oder MTV-Moderatorin Palina Rojinski bestimmt war, vorbei am neuen Mercedes-Benz Modell, vorbei an den Kampagnen-Bildern mit Lara Stone, vorbei an den Security-Guards bis hin zur… Stehtribüne. Ein kleiner Schönheitsfehler im makellosen Fashion Week Märchen.

Doch als sich das Licht dämmte, die Musik leiser wurde und die Fotografen von der Frontrow an das Ende des Catwalks abzogen, wurde ich von einem Seating-Girl auf einen freien Platz in der zweiten Reihe bugsiert. Meine neuen Sitznachbarn: Christiane Arp und Klaus Wowereit.

Feuertaufe – bestanden! Das Debüt war geglückt, jetzt ist Alexandra an der Reihe. Als die ersten zarten Gitarrentöne vom Berliner Künstler Petula erklingen, bin ich für meinen Teil schon hell auf begeistert. Kantiger Sound mit Charakter, mal leise, mal etwas lauter. Und dann biegt schon das erste Model um die Ecke. Mein Herz pocht. Das Publikum wird still und verfolgt jeden einzelnen Schritt der orangefarbenen Pumps, jeden noch so kleinen Schwung des Shiftkleides mit voluminös gerafftem Tulpenrock. Oder besser gesagt: Gracia Karotte, wie Alexandra die orange-blau-grüne Kreation aus Baumwolle, Bast und Seide taufte. Es läutet die farbenfrohe Support your local heroes Kollektion ein, die nahtlos an die Designphilosophie aus Alexandras Gewinner-Kollektion Baukasten Individualisten 12/6/24 anknüpft. Materialmix, Stoffeinsätze, geometrische Formen. Baukastenprinzip, olé! Durch die geschickte Kombination aus stofflichen Einzelteilen ergibt sich ein spielerisch und doch avantgardistisches Gesamtwerk, das durch Simplizität und klare Struktur überzeugt. Mode mit Humor. Das zeigen auch die raspelkurzen Pagenköpfe in platinblond und schokobraun, die Alexandra den Models verpasste.

Sechs Monate lang hat die Nachwuchsdesignerin an den Entwürfen gearbeitet. Neben dem fachkundigen Rat von Schirmherr Marc Jacobs holte sie sich noch sechs weitere Künstler mit ins Boot, frei nach dem Motto der Show: Support your local heroes. Diese lieferten elf abwechslungsreiche Illustrationen als Muster für Stoffe und Accessoires und gaben den Looks eine verspielte Dynamik.

Und als hätte sie es geahnt schickt sie auch eine gemusterte Navy-Chino mit dem Namen Lena über den Laufsteg. Ich fühle mich ertappt. Allerdings auf angenehme Art und Weise. Schließlich haben wir heute etwas gemeinsam.

Doch so schnell wie der Moderummel über uns beide einfiel, so schnell ist er auch schon wieder vorbei. Die Models laufen noch eine letzte Runde, das Publikum klatscht laut Beifall. Herr Wowereit lacht. Jetzt erscheint Alexandra selbst auf dem Catwalk, in einem hellrosaTüllrock, goldenem Choker und einem Shirt mit dem Aufdruck: Still in love (in Anlehnung an ihr Vorjahres-Shirt mit dem Aufdruck Marc loves me). Dann gehen die Lichter an.

Sie weiß nicht, dass ich im Publikum saß. Vielleicht wird sie es auch nie erfahren. Doch die stille Verbindung des heutigen Abends kann uns keiner mehr nehmen. Und wie heißt es doch so schön: Man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Also, auf die Premiere nach der Premiere!

 

Das Hosenmodell „Lena“ 

Für alle, die Alexandra noch öfter sehen wollen: Ausgewählte Teile der Kollektion werden auf der Messe Premium in Berlin präsentiert. Anschließend geht es nach Amsterdam. Dort zeigt Alexandra ihre Kollektion auf der Modemesse Modefabriek.

Noch mehr Alexandra? Catwalk-Schnappschüsse gibt es auf facebook.de/frontrowrevolution. Am Samstag zeigen wir die Entstehung der Kollektion und exklusive Backstage-Einblicke in einer Bildergallerie.

 

 

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