Mustergültiger Mainstream

Exacitudes_Paris_bearbeitet-1

Niemand ist der Einzige, der Erste oder der Letzte. Es gibt ihn nicht.

Den Individualisten.

Man kennt sie: Damen im besten Alter, sportliche Kurzhaarfrisur, bunte Regenjacke und praktischer Nylonrucksack. Sie fahren gerne mit der Bahn, essen dort ihre selbstgeschmierten Leberwurst-Stullen, tratschen in unangebrachter Lautstärke mit ihren Freundinnen oder schmökern in der „Tina“.

Man kennt auch ihn: den älteren Herren, silbergraue Haare, maßgeschneiderter Anzug, kamelfarbener Wollmantel, handgenähte Budapester. Entweder sitzt er in einem Mailänder Straßenkaffee und schlürft Espresso, oder er schlendert mit seiner 10-Jahre-jüngeren Geliebten durch exklusive Einkaufsstrassen.

Und man kennt auch ihn: der junge Typ, extrem durchtrainiert, extrem tatowiert, weißes Unterhemd, locker sitzende Jeans. Er fährt Motorcross und hört aggressive Musik. Schmerzen sind für ihn keine unangenehme Auswirkung eines Lebens am Limit, nein, sie sind sein Lebenselixir.

Jede Art der sozialen Zugehörigkeit bringt auch einen Dresscode mit sich. Nicht nur 20-jährige H & M-Käuferinnen sehen gleich aus, denn Uniformität ist demokratisch. Sie macht keine Unterschiede und vor Nichts und Niemandem halt. Nicht vor dem Alter, der politischen oder religiösen Gesinnung, nicht vor sozialen Unterschieden, nicht vor der Sexualität, nicht vor dem Beruf, den Freizeitaktivitäten und auch nicht vor dem eigenen Körper.

Der Fotograf Ari Versluis und die Profilerin Ellie Uyttenbroek lieben die Gleichförmigkeit. Seit fast 20 Jahren fotografiert das Künstlerduo aus Rotterdam Menschengruppen, die, um es freundlich auszudrücken, einen ähnlichen Stil verfolgen. Ein ambitioniertes Vorhaben, das Sozialstudie und Kunstprojekt mustergültig miteinander vereint.

Jedes der Bilder besteht aus 12 gleichgroßen Einzelportraits. Der Hintergrund ist immer weiß, die abgebildeten Personen werden in einer für sie typischen Pose abgebildet. Der Name: „Exactitudes“, eine Wortneuschöpfung aus „exact“ und „attitude“. Ihren Anfang fand die Sozialstudie 1994, dem Geburtsjahr von Justin Bieber und der WTO (World Trade Organisation). Ari Vresluis und Ellie Uyttenbroek begannen die unterschiedlichen Dresscodes der Bewohner ihrer Stadt abzubilden. Seit 1998 reisen die beiden auch in andere Städte, Länder und Kontinente. Ihre Bilder haben es bis auf die Cover internationaler Magazine geschafft. So zierten sie zum Beispiel das Titelbild des New Yorkers und der brand eins mit dem Thema „Es lebe die Vielfalt“.

Alle Bilder via http://www.exactitudes.com

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