COUTURE CLOSING

givenchy16

In den vergangenen Tagen (23.-26. Januar) wurden in Paris die aufwendigsten, atemberaubendsten, kreativsten, aber auch untragbarsten Modeentwürfe der Saison gefeiert. Experten der Branche befanden sich fern ab von Straße und Asphalt, auf den funkelnden Modepräsentationen der Extravaganten. Wir reden von den Haute Couture Schauen Frühjahr 2012. Heute endet das große Spektakel: Handgefertigte Schneiderkunst traf auf ein exklusives Klientel begrüßt von weltbekannten Designern. Weltbekannte Designer? Dabei sind es aktuell gerade nicht mehr die großen Traditionshäuser wie Chanel, Christian Dior und Alexander McQueen, die die Aufmerksamkeit der Haute Couture Liebhaber auf sich ziehen. Kennen Sie Alexis Mabille? Sagt Ihnen der Name Yiqing Yin etwas? Und können Sie mir die Unterschiede zwischen den Kreationen von Iris Van Herpen und Alexandre Vauthier aufzeigen? Nur wirkliche Insider der Branche kennen sie alle – die heimlichen Meister der Chambre Syndicale. Ihre Catwalkbilder finden meist nicht einmal den Weg auf die renommierte Show-Liste der Website style.com, ihr Name wird von kommerziellen Modejournalisten in keinem Nebensatz erwähnt und zahlreiche Starlets bevorzugen noch immer allein die Front Row großer, namhafter Labels. Dabei sind es besonders die jungen kreativen Köpfe, die das hohe künstlerische Potential zurück in die Modewelt bringen und die neue Avantgarde des Pariser Defilées bilden.

Ladies and gentleman, we proudly present…

Credit Foto: GoRunway.com, Yiqing Yin – Haute Couture Spring 2012, Paris

Die 26-jährige Yiqing Yin ist in diesem Jahr erstmals Gastmitglied der Chambre Syndicale. Die Kollektion, der aus China stammenden Designerin zeichnet ein schützender Charakter aus. Lange Umhänge, tiefe Kaputzen und dicker Pelz schmücken die einzelnen Looks. Eine gewisse Gothic-Note mit einer Mischung aus romantischen Elementen wie Plissees, Drapierungen und Faltenwurf und experimentellen Details als Cut-Outs und Knotungen treffen aufeinander und kennzeichnen ihr handgeschneidertes Meisterwerk.

Credit Foto: GoRunway.com, Iris van Herpen – Haute Couture Spring 2012, Paris

Natur, Mikroorganismen und High Tech sind Inspiration für Iris van Herpen. Sie gilt als Ausnahmetalent und präsentierte nun zum zweiten Mal ihre Haute Couture Entwürfe in Paris. Zu sehen sind: kleine Kunstwerke, dreidimesionale Strukturen, skulpturale Effekte. In dieser Saison arbeitete die gebürtige Niederländerin speziell mit Architekten, Grafikdesignern und bildenden Künstlern zusammen. Unterschiedliche Disziplinen verbinden sich: Es entsteht eine Symbiose aus Kunst, Architektur und Mode, die auf eine solch professionelle Art und Weise lange Zeit nicht mehr in Paris zu entdecken war.

Credit Foto: Alessandro Viero / GoRunway.com, Alexis Mabille – Haute Couture Spring 2012, Paris

Ein furchtloses Statement zum Thema Color Blocking. Alexis Mabille überträgt den vergangenen Prét-à-Porter Trend professionell auf sein exklusives Schneiderhandwerk. Seine Kollektion zeigt farbenfrohe Looks in strahlendem Rot bis eisig-kühlen Blau. Als Inspiration für das Styling galt ihm eine Fotografie des Models Lisa Fonssagrives. Das besagte Bild zeigt die Stilikone am Strand – Ihr Gesicht erfüllt ein pinker Schein, als Reflexion der Sonne auf ihren farbintensiven Sonnenschirm.

Credit Foto: GoRunway.com, Alexandre Vauthier – Haute Couture Spring 2012, Paris

Er ist bekannt für atemberaubende Kreationen, die dem 80er Jahre Look trotzen. Alexandre Vauthier spielt mit Gegensätzen: weich fließende Kleider kombiniert er mit dominanten Accessoires: die eng anliegende Halskette, auch als Choken bezeichnet, gibt der Kollektion einen Fetisch-Effekt.

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Neben den heimlichen Meistern der Haute Couture Schauen, möchten wir zudem ein altbewehrtes Label küren. Givenchy unter der Leitung von Chefdesigner Riccardo Tisci machte seinem eigenwilligen Ruf im Rahmen der Chambre Syndicale alle Ehre. Eine Basketballhalle, hölzerne Sprossen und ein Fabel für Nasenringe – Hört sich doch ganz nach Pariser Chic an, oder etwa nicht? Die 10 atemberaubenden Looks des französischen Labels ließen sich in Perfektion und Exklusivität nicht übertreffen. Die Kreationen lassen sich in drei Themenfelder unterteilen: Das erste Thema schmückte sich mit kostbarer Krokodilhaut. Die einzelnen Tierschuppen wurden in genauster Kleinarbeit individuell zugeschnitten, nummeriert, gebleicht, gefärbt und wiederum angebracht. Allein dies kostete dem Fertigungsteam 350 Stunden Nervenkitzel. Das zweite Thema bezeichnete der Designer selbst als Crystal Room. Hier funkeln und glitzern die neuen Kreationen um die Wette. Das letzte Thema beschäftigt sich mit dem Kontrast black and white – Ganz nach dem Grundsatz des Chefdesigners:  I like black, I like white. I never like what’s in the middle.

Auch die Wahl der Models war interessant zu beobachten. Bei Givenchy zeigte man sich tolerant und abwechslungsreich in dieser Saison. Hier stand eine 27-jährige Kati Nescher neben Kristin McMenamy, die mit ihren 48 Jahren schon eher das Schlusslicht der Model-Ära zeichnet. Inspiration der Kollektion war der Stummfilm Metropolis, von Fritz Lang –  ein Science Fiction Werk des Jahres 1927, das die Welt einer Zweiklassengesellschaft herausstellt und Tiscis Ideenfindung bezüglich Materialmix, Silhouette und Accessoirewahl vorantrieb.

Ob Givenchy oder Yiqing Yin, Traditionshaus oder Newcomer, einflussreich oder innovativ – eins steht fest: Die Chambre Sydicale hat die Fäden in der Hand: Wer darf präsentieren? Wer kann verweilen? Wer muss die Haute Couture verlassen? Paris zeigt sich bestimmend und diktiert die Modewelt – Gare à toi! Wer bleibt, der zeigt! Bis zum nächsten Couture Spektakel – C’était une belle époque! Au revoir!

Credit Foto: style.com, Courtesy of Givenchy – Haute Couture Spring 2012, Paris

Comments
One Response to “COUTURE CLOSING”
  1. Biggi Braun sagt:

    Schade das man nicht mehr über die jungen Designer erfahren kann, auch wenn man nicht zum
    “ Inner Circle“ gehört. Das gezeigte Bild ist sehr schön.

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