Rückblick auf das Fashion Net Education Center

Aufmerksames Modepublikum (Bild via Fashion Net Düsseldorf e.V.)

Am Sonntag lud das Fashion Net Düsseldorf bereits zum zweiten Mal Modekenner und -Interessierte zum Education Center ein. Das Education Center grenzt sich klar von den Düsseldorfer Handelsmessen ab: „Watch, listen, talk“ war die Leitlinie bei den Vorträgen und Gesprächen der Referenten und Gäste, die in vier Themenblöcke diversifiziert waren: Innovation | Technik, Modejournalismus, New Talents und Design.

Technologische Entwicklungen in der Mode

Im ersten Themenblock Innovation | Technik wurden wissenschaftliche Entwicklungen und der zunehmende Einsatz von Technologien bei, um und mit Mode erörtert. Jannis Hülsen, seines  zeichens Industriedesigner stellte in seinem Vortrag „Bakterien, die Fabriken der Zukunft?“ sein Projekt „Xylinum“ vor, bei dem er die Möglichkeiten der intelligenten Verarbeitung eines von Bakterien generierten Cellulosematerials aufzeigt.

Danach erläuterte Jörg Rose die Einsatzmöglichkeiten von QR Codes in der gesamten Wertschöpfungskette sowie insbesondere bei der Verknüpfung von Offline-to-Online-Marketing.

Jörg Rose referiert über QR Codes (Bild via Fashion Net Düsseldorf e.V.)

Martin Rupp vom Forschungsinstitut Hohenheim führte dem interessierten Publikum vor, wie die Wissenschaft in der gesamten Bandbreite der Textilindustrie nicht mehr wegzudenkender Dienstleister ist, um den wachsenden Erwartungen der Verbraucher und Marken gerecht zu werden. Abgerundet wurde der Themenblock durch Carola Falk, Geschäftsführerin und Mitgründerin von Twosquaremeter, stellte nicht nur die Eigenschaften und Vorteile der Algenfaser vor, sondern erläuterte anhand ihrer Erfahrung auch die Chancen und Herausforderungen der Vermarktung dieser noch unterschätzten Ressource.

Chancen und Einfluss des Modejournalismus

Der zweite Themenblock beleuchtete verschiedene – und aus unserer Sicht die relevantesten – Themen des Modejournalismus vor. Die Journalistin und Unternehmensberaterin Claudia Carillon führt Aspekte der Medienarbeit für Jungdesigner vor. Als Initiatorin des German Fashion Film Award teilte sie ihre umfassende Erfahrung speziell mit dem Medium Modefilm mit und erläutert die Vorteile des Bewegtbildformates gegenüber einer klassischen Modenschau. Dass ein Film mit Authentizität, guten ideen und weniger Budget deutlich mehr Reichweite, einen höheren Transfer der Marken- und Kollektionsidentität sowie eine intensivere Auseinandersetzung von Handelsvertretern und Konsumenten sowohl mit dem/ der DesignerIn als auch den Kreationen nachhaltig fördert.

Marcus Luft (Bild via Fashion Net Düsseldorf e.V.)

Gala-Redakteur Marcus Luft griff in seinem Vortrag den Einfluss des Modejournalismus auf das Setzen von Trends und die Förderung von Nachwuchsdesignern. Anhand dem Beispiels eines Prada Schuh’s zeigte er auf, wie dieser vom Catwalk in die Moderedaktionen und über Fotostrecken an die Leser und letztendlich (auch in abgewandelter Form) im Einzelhandel an die Kunden kommt. Obwohl er bei der ursprünglichen Präsentation nur als Blickfang geplant war, wurde er zu einem gefeierten kommerziellen Erfolg. Der Einfluss von Blogs auf den traditionellen Printjournalismus wurde von Luft reflektiert, leider kam es jedoch nicht zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den neuen Heraus- und Anforderungen an die gedruckten Publikationen.

Modemacher von Morgen

Im folgenden Themenblock New Talents – AMD Düsseldorf stellten ausgewählte Absolventinnen der AMD Düsseldorf Ihre Abschlussarbeiten aus den Bereichen Design, Wirtschaft und Journalismus vor. Jennifer Moica behandelt das Thema Licht in allen Facetten und Aspekten von der Kollektionsentwicklung bis in die Präsentation als Film. Wie Frau Corrillon die Umsetzung beurteilt, ist leider nicht bekannt.

Jenny Brucherseifer über die Vernetzung Chinas (Bild via Fashion Net Düsseldorf e.V.)

Die Rolle und der weltweite Einfluss von China wurde von Jenny Brucherseifer umfassend analysiert. Sie beschreibt sowohl das schnelle Wachstum und die aus der globalen Finanzkrise entstandenen Probleme und Herausforderungen für die Zukunft. Ein Thema, das nicht nur für die chinesischen Player, sondern insbesondere für die vielen europäischen Modeunternehmen von Belang ist, die ihre Beschaffung aus China beziehen.

Unsere verehrten Lena Grossmüller und Isabelle Braun präsentierten ihre Abschlussarbeit ‚Frontrow Revolution – Modejournalismus 2.0‘ und die museale Präsentation samt Salon-Talk im NRW-Forum.

Isabelle & Lena zum Modejournalismus 2.0 (Bild via Fashion Net Düsseldorf e.V.)

Internationale Erfolgsgeschichten asiatischer Designerinnen

Im finalen Themenblock Design unterhielt sich Fashion Net Multitalent Wolfgang Hein nacheinander mit den beiden international erfolgreichen Designerinnen Pim Sukhahuta und Jean Yu. Pim Sukhahuta erzählte Hein zunächst, wie sie nach ihrem Abschluß an der Parson’s School Of Design (New York) zunächst ihren eigenen Laden und dann das Label Stretsis gründete, das sie gemeinsam mit ihren Schwestern führt. Dabei verantwortet sie das Designteam, während ihre jüngere Schwester Accessoires & Schmuck entwirft und die ältere Schwester für alle geschäftlichen Belange zuständig ist. Dabei gewährte sie Einblicke in die Rolle von Familie und Heimat für die Produktion und Geschäftsentwicklung und wie private und familiäre Erlebnisse als Inspiration in der Kollektion „Oh, My Dear, Deer!“ verarbeitet werden.

Pim Sukhahuta im Gespräch mit Wolfgang Hein (Bild via Fashion Net Düsseldorf e.V.)

Die gebürtige Koreanerin Jean Yu präsentierte ihr Label 180 by Jean Yu, dessen feminine und dreidimensionale Designs international gefeiert werden. Die drapierten Entwürfe, Dessous und Couture begeistern sowohl internationale Prominenz und Modekritiker, so dass ihre Kollektion seit 2005 zum festen Ausstellungsbestand des renommierten Fashion Institute of Technology in New York gehört.

Jean Yu (rechts) im Dialog mit Wolfgang Hein (Bild via Fashion Net Düsseldorf e.V.)

Resümierend lässt sic feststellen, dass das Education Center eine durchaus gelungene Veranstaltung war. Die Themen waren breit gefächert gewählt und boten auch für erfahrene ‚Profashionals‘ neue Einblicke. Der Mut des Teams um Wolfgang Hein, international aus- und erfolgreiche Gäste hereinzuholen hat sich gelohnt. Einziger Wermutstropfen ist die hohe Fluktuation von Zuschauern, die  gern und aufmerksam dem überaus geschätzten Marcus Luft viel Aufmerksamkeit schenken, aber weder beim Nachwuchs noch gegenüber den eingeflogenen Designerinnen mit viel Anwesenheit sowie Partizipation glänzen.

Die inhaltliche Messlatte für das Education Center liegt nun hoch und die Erwartungen an sowie Vorfreude auf den nächsten Termin steigen.

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